Sechs junge Steinkäuze ausgewildert: Rekordjahr für den Artenschutz in der Rhein-Neckar-Region
Sechs junge Steinkäuze haben in Heidelberg, Leimen und Reilingen den Schritt in die Freiheit gemacht. Wie der Zoo Heidelberg am 29. September 2026 mitteilte, wurden die Vögel gemeinsam mit dem BUND Dossenheim an insgesamt fünf Standorten ausgewildert. Die Aktion gehört zum Artenschutzprojekt „Gemeinsam für den Steinkauz“, das seit 2020 läuft.
Vier der sechs Jungkäuze waren im Zoo Heidelberg geschlüpft und aufgewachsen. Zwei weitere Tiere stammen aus dem Alpenzoo Innsbruck. Nach Angaben des Heidelberger Zoos übernehmen die Vögel aus Österreich eine wichtige Funktion, um die genetische Vielfalt sicherzustellen. Der Alpenzoo ist damit ein neuer Mitwirkender bei den Auswilderungsmaßnahmen.
Behutsame Gewöhnung an den neuen Standort
Die Verantwortlichen ließen die jungen Eulen nicht unmittelbar frei. Stattdessen kamen sie zunächst für drei Tage in kleine Volieren, die direkt an geeigneten Nisthilfen angebracht waren. Dort wurden die Tiere mit Futter versorgt und konnten ihre neue Umgebung kennenlernen. Erst anschließend öffneten die Beteiligten die Volieren.
Der entscheidende Vorteil dieses Vorgehens besteht darin, dass die Jungkäuze die jeweilige Nisthilfe bei ihrer Freilassung bereits als sicheren Ort kennen. Nach Angaben des Zoos nutzen die Vögel diese Unterkunft häufig auch danach weiter. So soll die Wahrscheinlichkeit steigen, dass sie im vorgesehenen Gebiet bleiben und dort ein eigenes Revier besetzen.
An einem der fünf Standorte erprobten die Verantwortlichen eine besondere Anordnung: Ein Männchen aus Innsbruck und ein Weibchen aus Heidelberg wurden in zwei Minivolieren untergebracht, die nur wenige Meter voneinander entfernt standen. 2027 soll sich zeigen, ob sich dort ein neues Revierpaar etabliert.
Sieben Jungvögel an einem früheren Auswilderungsort
Dass die behutsame Auswilderung erfolgreich sein kann, zeigt die Entwicklung an einem anderen Standort. Dort waren zunächst keine Steinkäuze nachgewiesen worden. 2024 wilderten der Zoo Heidelberg und der BUND Dossenheim dort einen Vogel aus. Im Jahr 2025 beobachteten die Beteiligten an diesem Ort ein unberingtes Weibchen.
2026 folgte schließlich eine erfolgreiche Brut mit sieben Jungvögeln. Die zeitliche Abfolge macht deutlich, dass sich der Erfolg einer einzelnen Auswilderung nicht zwingend sofort zeigt. Auf die Freilassung folgen Beobachtung und Dokumentation. Erst dadurch lässt sich nachvollziehen, ob Steinkäuze einen Standort annehmen und ob dort später Nachwuchs aufwächst.
90 Jungvögel und 22 Brutpaare im Projektgebiet
Für „Gemeinsam für den Steinkauz“ war 2026 das bislang erfolgreichste Brutjahr. Im Projektgebiet zwischen Hemsbach-Laudenbach und Reilingen wurden insgesamt 90 Jungvögel dokumentiert. Auch bei den Paaren setzte sich die positive Entwicklung fort: 2025 waren 17 Brutpaare erfasst worden, 2026 waren es 22 Brutpaare und insgesamt 23 Revierpaare.
Diese Zahlen stehen in deutlichem Gegensatz zur Ausgangslage. Zum Projektbeginn 2020 war in der gesamten Großregion nur noch ein bekanntes Brutpaar dokumentiert. Seitdem verzeichnet das Projekt einen positiven Bestandstrend. Die aktuellen Ergebnisse beruhen dabei nicht allein auf der Freilassung einzelner Tiere. Die Maßnahmen umfassen auch die Aufzucht, die Bereitstellung geeigneter Nisthilfen, die Versorgung während der Eingewöhnung sowie die fortlaufende Erfassung von Paaren, Bruten und Jungvögeln.
Was der Erfolg für den praktischen Tierschutz bedeutet
Die Auswilderung zeigt, dass Artenschutz sorgfältige Vorbereitung und langfristige Zusammenarbeit benötigt. Die Tiere werden nicht lediglich an einem ausgewählten Ort freigelassen. Sie erhalten zunächst eine geschützte Unterkunft, werden versorgt und schrittweise an den Standort gewöhnt. Anschließend prüfen die Beteiligten, ob die Vögel bleiben, Reviere bilden und sich fortpflanzen.
Auch die Zusammenarbeit zwischen dem Zoo Heidelberg, dem BUND Dossenheim und dem Alpenzoo Innsbruck ist ein wesentlicher Bestandteil der aktuellen Maßnahme. Während vier Jungvögel aus Heidelberg stammen, sollen die beiden Tiere aus Innsbruck zur genetischen Vielfalt beitragen.
So können Interessierte das Projekt begleiten
- Die veröffentlichten Bestandszahlen und weiteren Mitteilungen der beteiligten Einrichtungen verfolgen.
- Verlässliche Informationen über die Auswilderung und den dokumentierten Bestandstrend weitergeben.
- Bei Interesse direkt beim Zoo Heidelberg oder beim BUND Dossenheim nachfragen, welche Unterstützung für das Projekt benötigt wird.
- Die weitere Entwicklung aufmerksam beobachten, insbesondere ob sich 2027 am gemeinsamen Auswilderungsstandort ein neues Revierpaar bildet.
Quelle
Zoo Heidelberg: Sechs Steinkäuze ausgewildert
Quellen: Zoo Heidelberg – Sechs Steinkäuze ausgewildert | SWR Aktuell – Steinkäuze werden ausgewildert | Tagesschau – Steinkäuze in der Rhein-Neckar-Region
